Ignoriert die Antifa antidemokratische Umtriebe von MigrantInnen?

In den letzten Tagen und Wochen wurde in diversen Internet-Foren immer wieder behauptet, die Welser Initiative gegen Faschismus/Antifa Wels würde sich nicht gegen antidemokratische Strömungen unter MigrantInnen, etwa muslimischem Fundamentalismus und Antisemitismus oder türkischem Rechtsextremismus, engagieren. Dies gipfelte in Aussagen wie die eines Thomas Ebetshuber, „Die Antifa hat bei mir allen Bonus verspielt, als man sich feige vor den neuen Judenhassern gedrückt hat“ und dergleichen.

Natürlich ist notorischen social media-Lügenbaronen schwer beizukommen; sie nehmen ohnehin nur Fakten zur Kenntnis, die ihre Vorurteile bestätigen. An einer ernsthaften Diskussion auf Basis sachlicher Argumente sind sie nicht interessiert – oder intellektuell gar nicht in der Lage. Wie dem auch sei, wir haben uns trotzdem entschlossen hier eine Klarstellung zu Thema zu veröffentlichen, möge sie einige ernsthaft interessierte Leserinnen und Leser finden. Der Rest darf sich ruhig weiter in seinen Ressentiments suhlen.

Die Welser Antifa ist als eine an demokratischen, humanistischen Werten orientierte Organisation selbstverständlich seit vielen Jahren auch gegen andere Extremismen als den Faschismus aktiv; natürlich auch zu den Themen Extremismus unter MigrantInnen bzw. anti-demokratische Tendenzen im Islam. Das Erstarken des Salafismus etwa wird bei unseren Fortbildungen für JugendbetreuerInnen etc. schon seit Herbst 2011 thematisiert – einem Zeitpunkt, wo dieses Phänomen hierzulande noch weitestgehend unbekannt war. Neben solchen inoffiziellen Veranstaltungen gab es auch öffentliche, etwa Tagesseminare zum „Politischen Islam“ mit Thomas Schmidinger, erstmals im Frühling 2008.

Zum Themenkreis „Türkischer Nationalismus“ erschien 2012 das Standardwerk „Grauer Wolf im Schafspelz“, verfasst u. a. von unserem Vorstandsmitglied Thomas Rammerstorfer, der seit Jahren zu diesem Thema forscht, schreibt und in ganz Österreich referiert. Auch unser Mitglied und ehemalige Vorsitzende Robert Eiter ist dazu sehr umtriebig.

Mit beiden großen Problemfeldern – türkischem Nationalismus und politischem Islam und dessen Ausformungen – gibt es eine langjährige, intensive Beschäftigung durch AktivistInnen der Welser Antifa, deren Gesamtdarstellung viele Seiten füllen würde. Wenn uns jemand eine andere zivilgesellschaftliche Organisation in Österreich nennen kann, die sich länger und intensiver mit dem Thema befasst, würden wir uns freuen.

Sich mit Extremismen in der Einwanderungsgesellschaft auseinanderzusetzen heißt für uns allerdings nicht, fremden- oder islamfeindliche Vorurteile nachzuplappern. Wer dies tut, nutzt genau jenen, die er zu bekämpfen vorgibt: den Fundamentalisten, und sonst niemanden.

Welser Initiative gegen Faschismus

Abschließend noch Beispiele seit dem letzten Herbst:

September 2014: Anzeige gegen zwei türkische Rechtsextreme wegen des Verbreitens antisemitischer Propaganda

Oktober 2014: Referat von Islamismusexperten Moussa Jamil beim Netzwerk-Treffen im BH Schloss Puchberg

Oktober/November 2014: Spendensammlung zur Unterstützung der Opfer des IS-Terrors (ca. 2500,- Euro)

November 2014: In unserer Zeitung befassen sich 2 Beiträge mit Salafismus, eine Reportage über Salafismus in Oberösterreich, ein Interview mit Islamexperten Thomas Schmidinger

Dezember 2015: Vortrag von Vorstandsmitglied Thomas Rammerstorfer zu den „Grauen Wölfen“ an der Uni Salzburg

Jänner 2015: Kundgebung in Wels gegen den Terror des IS. Vortrag mit Thomas Schmidinger im Nöfas/Wels zu Syrisch-Kurdistan

Februar 2015: Film Vortrag mit Arash T. Riahi, der vor dem theokratischem Regime aus dem Iran geflohen ist im BH Schloss Puchberg

März 2015: Ein Vorstandsmitglied nimmt an einer Solidaritätsdelegation in die Flüchtlingslager an der türkisch-syrischen Grenze teil. Die Delegation kauft um ca. 15 000 Euro Hilfsartikel für die Opfer des IS-Terrors

April 2015: Erstmals gemeinsames Gedenken an die Opfer der Todesmärsche der ungarischen JüdInnen und des Genozids an den ArmenierInnen

Texte (Auswahl):

Zu Salafismus in OÖ:

http://www.thomasrammerstorfer.at/2014/11/27/salafismus-und-reaktion-in-oberoesterreich/

Interview mit Thomas Schmidinger:

https://antifawels.wordpress.com/2014/10/08/salafismus-als-massenphanomen/

Gedenkrede:

http://www.thomasrammerstorfer.at/2015/04/24/rede-bei-der-gedenkfeier-fuer-die-opfer-der-todesmaersche-ungarischer-juden-1945-und-des-genozids-an-den-armenierinnen-1915-am-23-april-2015-in-wels/

22. Jänner ´15: „Krieg und Revolution in Syrisch-Kurdistan“ Buchpräsentation mit dem Autor THOMAS SCHMIDINGER

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BUCHPRÄSENTATION und DISKUSSION mit dem Autor
im Galerie-Cafe NÖFAS um 19 Uhr
Schuberstr. 8
4600 Wels

Als letzte Bastion kämpfen im Norden Syriens kurdische KämpferInnen gegen die jihadistische Bedrohung durch den selbsternannten »Islamischen Staat«. Nach jahrzehntelanger Unterdrückung durch das Baath-Regime gelang es den syrischen KurdInnen im Windschatten des Aufstands gegen das Regime 2012, den Großteil ihrer Siedlungsgebiete zu übernehmen.
Mit der Entwicklung des Aufstandes zum Bürgerkrieg und dem wachsenden Einfluss jihadistischer Gruppen ist jedoch die Sicherheitslage in Rojava (»West-Kurdistan«), wie Syrisch-Kurdistan von den KurdInnen selbst genannt wird, zunehmend prekär geworden. Für die syrischen KurdInnen ist die Verteidigung ihrer Städte und Dörfer ein Überlebenskampf geworden.

Thomas Schmidinger, der Syrisch-Kurdistan mehrmals bereiste und zuletzt 2014 in Rojava war, gibt einen aktuellen Einblick über eine Region zwischen Revolution und Bürgerkrieg. In zahlreichen Interviews mit PolitikerInnen und AktivistInnen sozialer Bewegungen lässt er darüber hinaus die Menschen in Rojava selbst zu Wort kommen.

Veranstalterinnen:
Infoladen Wels – Linke Buchhandlung
Junge Grüne Wels
Kurdistan-Solidarität Wels
Welser Initiative gegen Faschismus

Welser Antifa setzt Akzente – Politik und Literatur im Gespräch

Veranstaltungsreihe setzt auf Information und Diskussion

WELS. Nur wenige Tage nach dem „Politischen Aschermittwoch“ setzt die Initiative gegen Faschismus („Welser Antifa“) weitere literarisch-politische Akzente in der Stadt: „Im aktuellen Veranstaltungszyklus präsentieren wir hochklassige Autoren und Wissenschaftler, die sich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen, die jeden betreffen“, meint Antifa-Vorsitzender Werner Retzl stolz und fügt hinzu: „Zeitgeschichte und Gesellschaftskritik gelten oft als sperrige Themen und entsprechend als ´Minderheitenprogramm´. Im Gegensatz dazu orten wir bei vielen Menschen die Sehnsucht nach qualitätsvoller Auseinandersetzung mit allgemein politischen Fragestellungen und anregender Diskussion, abseits kleinlichen, parteipolitischen Hickhacks.“

In den kommenden Tagen geht es Schlag auf Schlag: Bereits am Mittwoch den 12. März präsentiert die Antifa den Landeskulturpreisträger Ludwig Laher mit seinem neuen Roman „Bitter“, der tiefe Einblicke in Psychologie und gesellschaftliches Umfeld eines oberösterreichischen Kriegsverbrechers gibt. Am 13. März folgt der Politologe Thomas Schmidinger, der über den „Arabischen Frühling“ und die Situation im Nahen Osten berichtet, und am Montag den 17.3. ist die Literaturwissenschaftlerin Bianca Angerer mit dem brandaktuellen Thema „Zigeuner-Feindlichkeit“ zu Gast.

Die Veranstaltungen im Überblick:

BUCHPRÄSENTATION „Bitter“ mit Autor LUDWIG LAHER

Mittwoch, 12.03.2014, 20.00 Uhr, Bildungshaus Schloss Puchberg, Eintritt: 10 €

3 JAHRE ARABISCHER FRÜHLING – Politologe Thomas Schmidinger analysiert

Donnerstag, 13.03.2014, 19.00 Uhr, Alter Schlachthof, Wels, Eintritt frei

Vortrag „Antiziganismus“ – Bianca Angerer im Rahmen des Monatsforums

Montag, 17.03.2014, 18.45 Uhr, Galerie Cafe Nöfas, Eintritt frei

13. März ´14: Von der Revolution zum Bürgerkrieg. Die Arabische Welt in der Krise

VORTRAG UND DISKUSSION MIT THOMAS SCHMIDINGER

schmidi

Die Hoffnungen der Revolutionäre in der Arabischen Welt wurden vorerst enttäuscht. Statt Demokratie und sozialer Umverteilung herrscht in Ägypten derzeit eine Militärdiktatur, in Bahrain eine von Saudi-Arabien gestützte autoritäre Monarchie, in Syrien ein offener und in Libyen und im Jemen ein latenter Bürgerkrieg. Lediglich Tunesien scheint derzeit das Potential zu einer demokratischen Entwicklung zu bieten. Vordergründig scheint es als hätte sich der ‚Arabische Frühling‘ in einen frostigen Winter verwandelt.
Der Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger analysiert Hintergründe und Entwicklung der arabischen Revolutionen und verbindet diese mit der Politischen Ökonomie der Region.

Donnerstag, 13. März 2014, 19 Uhr

Alter Schlachthof, Dragonerstr. 22, 4600 Wels

http://homepage.univie.ac.at/thomas.schmidinger/

Foto: Thomas Schmidinger 2012 in Syrien, YEKITI MEDIA