Susanne Scholl: Humorvoll und nachdenklich

Welser Antifa im Dialog mit Osteuropaexpertin

Aschermittwochs-Gespräch zwischen Literatur und Weltpolitik

WELS. Im vollbesetzten Festsaal des Bildungshauses Schloss Puchberg beeindruckte die bekannte Journalistin und Buchautorin Dr. Susanne Scholl beim 4. politischen Aschermittwoch der Welser Initiative gegen Faschismus. Nach humorvollen Leseproben aus ihrem kürzlich erschienenen Roman „Emma schweigt“, in dem sie sich in liebevoller Weise österreichisch-türkisch-russischen Alltagsepisoden widmet, konnten die 250 anwesenden Gäste hochklassige Politanalyse erleben. Im Mittelpunkt des Gesprächs mit Antifa-Moderator Christian Stöbich standen aktuelle Hintergründe und Perspektiven im Konflikt um die Krim. Frau Scholl skizzierte die Motivationen des Machtmenschen Putin und warnte vor den Folgen zögerlicher westlicher Reaktionen. „Bereits mit dem ersten Schuss im Kiewer Machtkampf hätte der Westen klare Sanktionen androhen und die demokratischen Kräfte in der Ukraine deutlicher stärken sollen“, meinte die Russland-Expertin und zeigte sich über den weiteren Verlauf des Konfliktes nachdenklich. Mit einer humanitären Aktion fand dieser stimmige Abend einen würdigen Abschluss: Mit dem Spendenaufruf der Antifa konnten 2.000 € für das Flüchtlingshaus Courage der Welser Caritas zur Verfügung gestellt werden.

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5. März ´14: Politischer Aschermittwoch mit Susanne Scholl in Wels

Susanne Scholl liest aus ihrem neuen Roman „Emma schweigt“

Scholl-Susanne

Emma, Rentnerin in Wien, macht sich so ihre Gedanken über eine Welt, die nicht mehr ist, was sie mal war: Die neue türkische Schwiegertochter ist schwanger, die Enkelin trägt zu enge Hosen und ihren Ex-Mann hat einen Schlaganfall. Sarema kommt aus Grosny nach Wien. Dass sie noch am Leben ist, hat sie ihrem verzweifelten Mut zu verdanken: Im Tschetschenien-Krieg hat sie alles verloren, Schlepper haben sie und ihren jüngsten Sohn nach Österreich gebracht. Sarema braucht Asyl, Emma nach einem Unfall Hilfe im Haushalt. Ihre Wege kreuzen sich, Ihre Schicksale verbinden sich. Die Begegnung von zwei Frauen, zwei Kulturen, zwei Schicksalen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

Politischer Aschermittwoch in Wels
Die Welser Initiative gegen Faschismus hat vor mittlerweile vier Jahren diese Veranstaltungsreihe begründet, um zu dem dumpfen, schenkelklopfenden Bierzeltrassismus rechtsextremer Aschermittwochsveranstaltungen ein niveauvolles Gegen-Konzept zu bieten. Alljährlich laden wir Gäste zum Dialog, die auf Solidarität und Sensibilität setzen statt auf Hetze und Sündenbockgehabe.Wir freuen uns auf einen anregenden Abend mit interessanten Menschen und traditionellem Heringskäse.

Unser Gast: Dr. Susanne Scholl

Entstammt einer österreichisch-jüdischen Medizinerfamilie, mit deren tragischem Schicksal sie sich in ihrem Roman „Elsas Großväter“ (Picus Verlag, Wien 2003) auseinandersetzte. Nach einem Doktoratsstudium der Slawistik in Russland und Rom begann sie ihre journalistische Laufbahn als Mittel- und Osteuropa-Korrespondentin der französischen Zeitung „Le Monde“, anschließend war sie für Radio Österreich International und die APA tätig. Paul Lendvai holte sie 1986 in die neue ORF-Osteuroparedaktion. 1989 ging Scholl als Korrespondentin des ORF nach Bonn, 1991 wechselte sie nach Moskau. 1997 bis 2000 leitete sie in Wien das „Europajournal“ im ORF-Radio, um dann nach Moskau zurückzukehren. Aufsehen erregte ihre vorübergehende Festnahme durch die russischen Behörden während der Berichterstattung aus Tschetschenien.In den letzten Jahren hat sich Frau Scholl mit politischen Analysen, Erzählungen, Romanen und Gedichten einen Namen gemacht. Die gesellschaftlichen Entwicklungen in Russland und Osteuropa, aber auch die alltäglichen Probleme und Schicksale dieser Menschen bilden ihre Themen. Susanne Scholl wurde mit zahlreichen Preisen, wie dem Axel-Corti-Preis und dem Buchliebling Lifetime-Award, ausgezeichnet.

5. März 2014, 20 Uhr

Bildungshaus Schloss Puchberg, Puchberg 1, 4600 Wels