3. Dezember 2015: HEIL-VERKÜNDER GEGEN DIE DEMOKRATIE

Termin: Donnerstag, 3. Dezember 2015, 19 bis 21 Uhr roman
ReferentIn: Dr. Roman Schweidlenka
Kursbeitrag: € 10,00
Bildungshaus Schloss Puchberg

Islamismus ist in aller Munde. Fragt man genauer nach, was denn Fundamentalismus eigentlich sei, so stößt man oft auf Unwissenheit. Im Vortrag wird das vielfältige Phänomen des Fundamentalismus mit Schwerpunkt Islamismus erklärt. Danach wird auf zeitgenössische Strömungen im Rechtsextremismus eingegangen. Es wird gezeigt, dass trotz aller
Unterschiede unter der tagespolitischen Oberfläche radikaler Fundamentalismus und moderner Rechtsextremismus mehr gemeinsam haben, als wir annehmen, und dass sie unser humanistisches, den Menschenrechten verpflichtetes Weltbild herausfordern. Und warum kann das alles für Jugendliche so attraktiv sein?

Gefördert durch die Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung.
Mitveranstalter: Welser Initiative gegen Faschismus, OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus

Zu Dr. Roman Schweidlenka:

Geboren 1952 in Wien. 1983 Dr. phil. Geschichte/Kunstgeschichte. Mitarbeiter an zahlreichen wissenschaftlichen Forschungsprojekten zur Thematik „Esoterik, Sekten, Okkultismus, Satanismus“. Seit 1987 als Referent und Schulungsleiter tätig. 800 Veröffentlichungen (Artikel, Rezensionen etc.), u.a. 6 Bücher. Seit 1996 Leitung der LOGO ESO.INFO, Referent für neue religiöse und politische Bewegungen für das Land Steiermark

Ignoriert die Antifa antidemokratische Umtriebe von MigrantInnen?

In den letzten Tagen und Wochen wurde in diversen Internet-Foren immer wieder behauptet, die Welser Initiative gegen Faschismus/Antifa Wels würde sich nicht gegen antidemokratische Strömungen unter MigrantInnen, etwa muslimischem Fundamentalismus und Antisemitismus oder türkischem Rechtsextremismus, engagieren. Dies gipfelte in Aussagen wie die eines Thomas Ebetshuber, „Die Antifa hat bei mir allen Bonus verspielt, als man sich feige vor den neuen Judenhassern gedrückt hat“ und dergleichen.

Natürlich ist notorischen social media-Lügenbaronen schwer beizukommen; sie nehmen ohnehin nur Fakten zur Kenntnis, die ihre Vorurteile bestätigen. An einer ernsthaften Diskussion auf Basis sachlicher Argumente sind sie nicht interessiert – oder intellektuell gar nicht in der Lage. Wie dem auch sei, wir haben uns trotzdem entschlossen hier eine Klarstellung zu Thema zu veröffentlichen, möge sie einige ernsthaft interessierte Leserinnen und Leser finden. Der Rest darf sich ruhig weiter in seinen Ressentiments suhlen.

Die Welser Antifa ist als eine an demokratischen, humanistischen Werten orientierte Organisation selbstverständlich seit vielen Jahren auch gegen andere Extremismen als den Faschismus aktiv; natürlich auch zu den Themen Extremismus unter MigrantInnen bzw. anti-demokratische Tendenzen im Islam. Das Erstarken des Salafismus etwa wird bei unseren Fortbildungen für JugendbetreuerInnen etc. schon seit Herbst 2011 thematisiert – einem Zeitpunkt, wo dieses Phänomen hierzulande noch weitestgehend unbekannt war. Neben solchen inoffiziellen Veranstaltungen gab es auch öffentliche, etwa Tagesseminare zum „Politischen Islam“ mit Thomas Schmidinger, erstmals im Frühling 2008.

Zum Themenkreis „Türkischer Nationalismus“ erschien 2012 das Standardwerk „Grauer Wolf im Schafspelz“, verfasst u. a. von unserem Vorstandsmitglied Thomas Rammerstorfer, der seit Jahren zu diesem Thema forscht, schreibt und in ganz Österreich referiert. Auch unser Mitglied und ehemalige Vorsitzende Robert Eiter ist dazu sehr umtriebig.

Mit beiden großen Problemfeldern – türkischem Nationalismus und politischem Islam und dessen Ausformungen – gibt es eine langjährige, intensive Beschäftigung durch AktivistInnen der Welser Antifa, deren Gesamtdarstellung viele Seiten füllen würde. Wenn uns jemand eine andere zivilgesellschaftliche Organisation in Österreich nennen kann, die sich länger und intensiver mit dem Thema befasst, würden wir uns freuen.

Sich mit Extremismen in der Einwanderungsgesellschaft auseinanderzusetzen heißt für uns allerdings nicht, fremden- oder islamfeindliche Vorurteile nachzuplappern. Wer dies tut, nutzt genau jenen, die er zu bekämpfen vorgibt: den Fundamentalisten, und sonst niemanden.

Welser Initiative gegen Faschismus

Abschließend noch Beispiele seit dem letzten Herbst:

September 2014: Anzeige gegen zwei türkische Rechtsextreme wegen des Verbreitens antisemitischer Propaganda

Oktober 2014: Referat von Islamismusexperten Moussa Jamil beim Netzwerk-Treffen im BH Schloss Puchberg

Oktober/November 2014: Spendensammlung zur Unterstützung der Opfer des IS-Terrors (ca. 2500,- Euro)

November 2014: In unserer Zeitung befassen sich 2 Beiträge mit Salafismus, eine Reportage über Salafismus in Oberösterreich, ein Interview mit Islamexperten Thomas Schmidinger

Dezember 2015: Vortrag von Vorstandsmitglied Thomas Rammerstorfer zu den „Grauen Wölfen“ an der Uni Salzburg

Jänner 2015: Kundgebung in Wels gegen den Terror des IS. Vortrag mit Thomas Schmidinger im Nöfas/Wels zu Syrisch-Kurdistan

Februar 2015: Film Vortrag mit Arash T. Riahi, der vor dem theokratischem Regime aus dem Iran geflohen ist im BH Schloss Puchberg

März 2015: Ein Vorstandsmitglied nimmt an einer Solidaritätsdelegation in die Flüchtlingslager an der türkisch-syrischen Grenze teil. Die Delegation kauft um ca. 15 000 Euro Hilfsartikel für die Opfer des IS-Terrors

April 2015: Erstmals gemeinsames Gedenken an die Opfer der Todesmärsche der ungarischen JüdInnen und des Genozids an den ArmenierInnen

Texte (Auswahl):

Zu Salafismus in OÖ:

http://www.thomasrammerstorfer.at/2014/11/27/salafismus-und-reaktion-in-oberoesterreich/

Interview mit Thomas Schmidinger:

https://antifawels.wordpress.com/2014/10/08/salafismus-als-massenphanomen/

Gedenkrede:

http://www.thomasrammerstorfer.at/2015/04/24/rede-bei-der-gedenkfeier-fuer-die-opfer-der-todesmaersche-ungarischer-juden-1945-und-des-genozids-an-den-armenierinnen-1915-am-23-april-2015-in-wels/