Rede anlässlich des Gedenkens der Opfer des Todesmarsches der ungarischen Juden

Redebeitrag von Katharina Gusenleitner:

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen der Welser Initiative gegen Faschismus bedanke ich mich, dass sie sich heute zum Gedenken an die Opfers des Todesmarsches der ungarischen Jüdinnen und Juden hier versammelt haben. Ich darf mich auch bei meinen beiden Vorrednern für ihre wichtigen Worte bedanken und ebenso beim Evangelischen Posaunenchor Wels unter der Leitung von Martin Köberl für die musikalische Umrahmung.

In erster Linie haben wir uns hier eingefunden, um Menschen zu gedenken. Menschen, die Schreckliches erlitten haben, die ein Martyrium durchlebten, das für unsere Gehirne und Herzen kaum vorstellbar ist. Im Nordteil des Welser Friedhofs sind 1.030 KZ-Opfer – vorwiegend ungarische Jüdinnen und Juden – bestattet. Sie mussten am Todesmarsch von Mauthausen nach Gunskirchen im April 1945 teilnehmen. Viele von ihnen wurden noch durch die US-Armee befreit, konnten aber nicht mehr gerettet werden: Sie starben an Seuchen und Entkräftung. Wir sind aber auch hier, um zu ermahnen, dass ein Verbrechen dieses Ausmaßes nie wieder passieren darf, was angesichts der Erstarkung rechtsextremer Umtriebe und Gewaltakte von erheblicher Dringlichkeit ist.

Bedauerlicherweise geschieht seit den Abscheulichkeiten von damals  so viel anderes Unrecht und Leiden und Sterben.

Ich möchte mich heranwagen, möchte eine Brücke schlagen zwischen den abscheulichen Gräueltaten der Vergangenheit und den teils menschunwürdigen Politiken der Gegenwart, wobei ich der Überzeugung bin, dass es nicht ungefährlich ist, jegliches Ereignis mit geschichtlichen Geschehnissen zu vergleichen und somit zur Verharmlosung des weiterhin größten Verbrechens der Menschheit beizutragen.

Als ich das letzte Mal vor 2 Jahren die Gelegenheit hatte  hier zu reden, widmete ich mich meine Worte  der Bedeutung von Gedenkarbeit sowie dem modernen Antisemitismus. Auch darüber ließe sich heute noch gut sprechen, da beides nichts an Aktualität eingebüßt hat. Gedenkarbeit scheint wichtiger denn je und auch über gegenwärtigen Antisemitismus ließe sich leider ausufernd referieren.

Lassen Sie mich heute versuchen, das psychologische Moment der Jetztzeit herauszuarbeiten – nämlich das Spiel mit der Angst der Menschen, das Forcieren des Wunsches nach Sicherheit und Abschottung, um das sich aktuell alles dreht und sich schon einmal gedreht hat in diesem Land am Strome, der Äcker und Dome. Doch nicht nur hier in dieser kleinen Alpenrepublik, läuft vieles verquer und ist die Fläche für die Verunmenschlichung des Menschseins geebnet.

Doch zurück zu besagter Alpenrepublik:

Flüchtlingsströme, Überfremdung, Terrorgefahr, Islamisierung, Abgrenzung, Grenzen, Obergrenzen, Besinnung auf unsere Werte, Sicherheit, etc gipfelten schließlich in einem vermeintlichen Notstand. Ängste, die ein Player im Staate schürt und von anderen instrumentalisiert werden, um nur irgend möglich einen kompletten Machtverlust zu verhindern. Es gibt sie wieder in Hülle und Fülle – die Demagogen.

In Österreich von einem Notstand zu sprechen, ist so ziemlich das Vermessenste und geht so sehr an der Realität vorbei, dass es schon weh tut, davon zu lesen. (Wenn man sich vor Augen hält, was sich in anderen Regionen dieser Erde oder an diversen europäischen Grenzen abspielt.) Es schmerzt jedoch nicht nur, sondern versetzt in Furcht und Schrecken – die Menschen, die diesen Behauptungen und ihren darauffolgenden Taten Glauben schenken aber auch diejenigen, die dies nicht tun und um ihre verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte und das demokratische System in Sorge sind.

Denn die Angst hat viele Facetten und findet sich unter Anhängerinnen verschiedenster Gesinnungen. Beim Basteln an meiner Rede entsann ich mich eines Zitates Adornos, das mir in den letzten Monaten immer wieder auf social media Kanälen aufgeschlossener, liberaler und weltoffener Menschen unterkam, das da lautet:

Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten.
Was für ein weiser Mensch!

Die einen fürchten sich vor größtenteils inszenierten Phänomenen, die Ängste der anderen sind leider so real wie sie es schon lange nicht mehr waren. Ja es ist zum Gruseln: die Beschneidung von Minderheitenrechten, Ausgrenzung von Menschen, Gewalt gegen Menschen, das plakative Hetzen gegen Menschen (wie etwa lokal passiert durch die öffentliche Abbildung von Fäkalien), die Besinnung auf das ausschließlich eigene Kulturgut (es stellt sich hier die Frage, was das überhaupt sein soll), der Wunsch nach Einfalt anstelle von Vielfalt, die Kriminalisierung von Menschen, die anderen Menschen Hilfe und Schutz bieten kumulieren schließlich in der eigenmächtigen Aussetzung von völkerrechtlichen Verträgen und Asylrechtsverschärfungen und Grenzschließungen. Derartige Politiken bringen am Ende noch das ohnehin bereits fragile Fundament des größten Friedensprojekts des vorigen Jahrhunderts zum Scheitern. Ja, welcher vernunftbegabte Mensch würde es bei so viel Gift nicht mit der Angst zu tun bekommen. Und was geschah eigentlich mit der Unantastbarkeit der Menschenwürde?

Angst jedoch ist ein negativer Motor und nicht notwendig, solange es nicht um Leib und Leben geht. Die Kunst, wieder eine menschenwürdigere Umwelt mit internationalem Weitblick und Offenheit gegenüber Menschen zu schaffen, wird darin liegen, nicht aus Angst sondern aus Liebe zu den Menschen zu kämpfen und zu handeln. Sicher können wir auch aus Angst dagegenhalten, aufklären, auf Grund- und Menschenrechte pochen, was angesichts der momentanen Politik nicht verwunderlich wäre, schöner und nachhaltiger ist es aber, dies aus Solidarität zu tun. Erst durch die Aufgabe des Strebens nach Sicherheit, nach Grenzen und Macht können wir die Freiheit des Menschseins wiedererlangen.

Vielleicht sollten wir aufhören uns zu fürchten und einfach loslegen oder weitermachen. Doch egal aus welchen Motiven wir handeln, das Schlimmste wäre wohl die Nichttat. Ich schließe wieder mit einem Zitat Adornos:

Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen

In diesem Sinne lösen wir die Aufgabe!

Herzlichen Dank für ihre Aufmerksamkeit!

ung16

Christian Stöbich, Werner Retzl, Anton Pelinka, Katharina Gusenleitner, Robert Eiter, Johnny Reindl-Schwaighofer

400 BesucherInnen beim „Politischen Aschermittwoch“ in Wels

Ein großer Erfolg wurde die Präsentation von „Mein Kampf – eine kritische Edition“ im Rahmen des Politischen Mittwochs im Bildungshaus Schloss Puchberg.

Geladen waren die Herausgeber Dr. Christian Hartmann und Dr. Thomas Vordermayer. Nach einführenden Worten von Wilhelm Achleitner vom Bildungshaus und Christian Stöbich von der Welser Initiative gegen Faschismus begann die Veranstaltung mit einer kurzen Einspielung aus Qualtingers „Mein Kampf“-Lesung. Anschließend stellten Vordermayr und Hartmann Geschichte, Inhalt und Methodik der im Jänner erschienen Edition vor. Moderiert von Marie Edwige, Gemeinderätin der Grünen aus Linz, gab es dann noch eine längere Diskussion mit Herausgebern und Publikum.

 

 

Demokratie verteidigen – Menschenrechte schützen: Mitglied werden bei der Welser Initiative gegen Faschismus!

In diesen Zeiten wird unsere Arbeit wichtiger denn je. Wir wollen uns in Hinkunft noch breiter aufstellen – mehr Mitglieder, mehr Aktive, mehr Leben!

Obwohl alle unsere Vorstandsmitglieder ehrenamtlich tätig sind, erwachsen aus unseren Aktivitäten auch Kosten: für Drucksorten, für ReferentInnen, für Raummieten, etc. – darum sind wir auf Mitgliedsbeiträge angewiesen.

Der Mitgliedsbeitrag beträgt 35,- im Jahr, bzw. ermäßigt (SchülerInnen, Studentinnen, Lehrlinge etc.) 11.-. Neu ist der „Familientarif“ um 50.- Euro sowie eine Fördermitgliedschaft um 300,- per anno.

Wenn du uns unterstützen willst, vielleicht auch mitarbeiten möchtest: antifa.wels@gmail.com (oder PM auf facebook bzw. persönlich bei unseren Vorstandsmitgliedern)

Kontoverbindung für Mitgliedsbeiträge oder einmalige Spenden:

Welser Initiative gegen Faschismus

IBAN: AT61 2032 0116 0000 1041

Bei Sparkasse OÖ

BIC: ASPKAT2LXXX

Danke!

Der Vorstand der Welser Initiative gegen Faschismus

vorstand

von links nach rechts: Katharina Gusenleitner, Thomas Rammerstorfer, Nuray Bahcetepe, Christian Stöbich, Rudolf Spitzer, Alexander Grünberger, Laurien Scheinecker, Werner Retzl, Raimund Buttinger (nicht im Bild: Markus Rachbauer)