Wer war Max Rabl? Eine Spurensuche

Immer wieder mal, etwa wenn er mit Kritik von der Welser Antifa konfrontiert ist, packt der Welser Bürgermeister Andreas Rabl eine Geschichte aus dem Leben seines Großvaters aus. „Nach der Pressekonferenz bemerkte er (Andreas Rabl, Anm.) im Gespräch mit der APA, dass sein Vater drei Jahre lang in Gestapo-Haft gesessen sei.“[1] schreiben die OÖN 2016[2]. Ein Jahr zuvor berichtet das „Profil“: „Sein Großvater saß einst wegen kritischer Artikel in Gestapo-Haft.“[3] Dementsprechend wurden wir auch schon das ein oder andere mal mit der Frage konfrontiert, wer denn nun dieser Herr war. Gar ein Widerstandskämpfer? Wohl eher weniger, zeigt die Recherche.

Andreas Rabls Großvater Max (seltener auch als Maximilian erwähnt) Rabl wurde 1898 in Bohutice (deutsch: Bochtitz) im heutigen Tschechien geboren.

Wikipedia schreibt, Rabl war seit „1920 Mitglied der Burschenschaft Hubertus Wien; 1936 auch Mitglied der Burschenschaft Alemannia Wien.“

Landbund und Landpost

Lothar Höbelt, FPÖ-naher Historiker, liefert einige Informationen zu Rabls Werdegang:

„Rabl hatte eine interessante Karriere hinter sich. Er war 1932/33 führender Mitarbeiter im Reichsparteisekretariat des Landbundes (…).“, außerdem Redakteur der „Landpost“.[4]

Die Homepage des Österreichischen Parlaments gibt an, Rabl war „Schriftleiter der „Landpost“ 1935–1938“ und „Sekretär des Niederösterreichischen Landbundes 1930–1933“.

Anzumerken wäre hier, dass der „Landbund“ eine deutschnationale und antisemitische Partei war. „Wie alle deutschnationalen Organisationen war der Landbund antisemitisch: Er trat dafür ein das der „schädliche Einfluss des Judentums auf unser öffentliches, kulturelles und wirtschaftliche Leben“ durch „gesetzliche und wirtschaftliche Abwehrmaßnahmen“ gebrochen werden sollte.“[5]

Die „Landpost“ wiederum wurde von Max Rabl mitgegründet[6], er hat sie redigiert, war Redakteur, Schriftleiter… de facto war es „seine Zeitung“. Und wo stand diese politisch? Der „Verbund Oberösterreichischer Museen“ zählt sie zu den „getarnten“ Zeitungen der NSDAP. Die „Landpost“ wird mit ähnlichen Blättern gar als „eine wichtige propagandistische Stütze der nach dem 19. Juni 1933 verbotenen NSDAP“[7] genannt. Ein Sachbuch zur NS-Presse schreibt, die Landpost habe sich zwar unpolitisch gegeben, es „blieb dennoch genug Raum für die Verbreitung nationalsozialistischer Parolen“[8]

Höbelt zu Folge war Rabl „schon seit seiner Rückkehr aus der französischen Kriegsgefangenschaft 1921 Mitglied der NSDAP“. Andere Quellen bestätigen dies: „Rabl trat 1921 in Wien-Döbling der NSDAP bei[9]

Rabl war also als deutschnationaler Burschenschafter, Landbund-Funktionär, NSDAP-Mitglied der allerersten Stunde und Gründer bzw. Schriftleiter eines NSDAP-freundlichen Blattes ausgesprochen eng in den faschistischen Netzwerken der Zwischenkriegszeit verwoben.

Was tat Rabl in der NS-Zeit?

Wenige Tage nach dem Einmarsch deutscher Truppen 1938 erschien die Landpost mit dem Zusatz „Blatt der nationalsozialistischen Bauernschaft Österreichs“. Im Oktober des Jahres stellte sie ihr Erscheinen ein. Das könnte mit dem neuen Beruf des Max Rabl in Zusammenhang stehen, der im gleichen Monat die Verlagsleitung des von den Nazis gleichgeschalteten Verlages der Diözese St. Pölten übernahm[10]. Zweifellos ein beruflicher Aufstieg.

Die Homepage des Parlaments merkt an: „Politische Freiheitsstrafe: 1939 dreimal in Gestapohaft.“

Höbelt: „Während des Krieges von mißgünstigen Nachbarn wegen des Abhörens von Feindsender angezeigt, verbrachte er als „Wiederholungstäter“ einige Zeit als Zellenkamerad von Heinrich Gleißner. Der Einlieferung ins KZ entging er durch freiwillige Meldung zur Wehrmacht und diente sich vom Gemeinen wieder zum Offizier hoch.“

Wikipedia (ohne Quellenangabe): „Während der NS-Zeit wurde er wegen kritischer Äußerungen dreimal verhaftet. Aufgrund seiner eigenen Verbindungen und noch mehr der seiner Frau Luise, die eine enge Bekannte des damaligen Gauleiters Eigruber war, wurde er nicht in ein KZ gesperrt, sondern nur verhaftet. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und nach Griechenland versetzt.“[11]

„Das Kleine Volksblatt“ berichtete am 7. Juli 1939 unter der Überschrift „Strenge Maßnahmen gegen einen unsozialen Betriebsführer“ über ein Verfahren gegen Rabl wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten im Verlag; dies endete zwar mit einem Freispruch, dennoch wurde er der Gestapo überstellt. Freilich war auch dieses Blatt von den Nazis „gleichgeschaltet“ und stellt keine seriöse Quelle dar.

Wir fassen zusammen: Max Rabl, Nazi der ersten Stunde, hat als „Alter Kämpfer“ der NSDAP im „Dritten Reich“ anfänglich einen Führungsposten im Verlagswesen, dann aus nicht geklärten Gründen Probleme bekommen. Er ist vermutlich dreimal, allerdings wohl immer nur für sehr kurze Zeit, festgenommen worden. Er ging zur Wehrmacht und brachte es dort bis Kriegsende zum Offiziersrang. Hätte das NS-Regime noch Zweifel an seiner Loyalität gehabt, wäre so eine Karriere kaum möglich gewesen. Hinweise auf „kritische Artikel“ oder „3 Jahre Haft“[12] finden sich in den uns zur Verfügung stehenden Quellen nicht.

Trotz einiger negativer Erfahrungen blieb Rabl nach ´45 dem rechtsextremen Lager treu. Für die „Ehemaligen“-Partei WdU bzw. VdU saß er im Bundesrat und im Landesvorstand von Oberösterreich (die Transformation zur FPÖ macht er dann nicht mehr mit). Er ist 1964 verstorben. Dementsprechend hat Andreas Rabl seinen Großvater nie kennengelernt. Freilich sind ihm dessen Gesinnung und Taten nicht im Geringsten vorzuwerfen. Sein Wirken jedoch nur auf die Schwierigkeiten mit der Gestapo zu reduzieren ist schon deutlich verkürzt. Ihn als „Antifaschisten“ darzustellen ist schlicht absurd. Ein ernsthafter Umgang mit der NS-Vergangenheit sieht anders aus.

[1] Es muss sich um seinen Großvater gehandelt haben, vermutlich liegt hier ein Hör- oder Schreibfehler des Journalisten vor.

[2] http://www.nachrichten.at/nachrichten/ticker/Rabl-besteht-auf-Gedenken-zur-Reichspogromnacht;art449,2397165

[3] https://www.profil.at/oesterreich/wels-wird-fpoe-politiker-buergermeister-5821419

[4] Lothar Höbelt: „Von der vierten Partei zur dritten Kraft. Die Geschichte des VdU“, S. 74f

[5] http://www.univie.ac.at/zeitgeschichte/cms/uploads/Paper-Kl%C3%B6sch.pdf

[6] https://www.munzinger.de/search/portrait/Maximilian+Rabl/0/4333.html

[7] http://www.ooegeschichte.at/epochen/oberoesterreich-in-der-zeit-des-nationalsozialismus/ooe-1938-1945-eine-chronologie/ns-verwaltung/die-presse.html

[8] Michaela Gustenau: Mit brauner Tinte: Nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in Oberösterreich (1933-1945), S.42

[9] Michaela Gustenau: Mit brauner Tinte: Nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in Oberösterreich (1933-1945), S. 236

[10] Neues Wiener Tagblatt, 16. Oktober 1938, S. 21

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Rabl

[12] Es mag natürlich sein, dass auch hier Hör- oder Schreibfehler des Journalisten, der Andreas Rabl hier zitiert, vorliegen.

14. Oktober 2017: Antifa-Netzwerk-Treffen in Wels

nw

Das Großes OÖ. Netzwerk-Treffen findet am Samstag, 14. Oktober 2017 um 14.00 Uhr Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels statt.

Das Treffen der oö. Mauthausen-Komitee-Gruppen beginnt wie üblich schon um 9.00 Uhr. Der bekannte antifaschistische Autor Hans-Henning Scharsach wird sein – dann schon erschienenes – neues Buch präsentieren, der Experte Arno Speiser ein Modell mobiler Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern vorstellen.
Das Hauptreferat hält Martina Renner, Abgeordnete der Linken im Deutschen Bundestag: Sie informiert über die Mordserie der braunen Terrororganisation NSU und das völlige Versagen des Verfassungsschutzes.


Für die Musik sorgen Sabine Nikolic (Klavier) und Manuel Peer (Klarinette).
Zum Abschluss des Treffens (um etwa 17.00 Uhr) bietet ein Buffet Gelegenheit für interessante Gespräche.


Wichtige Hinweise zum Netzwerk-Treffen:
• Bitte möglichst schon ab 13.00 Uhr eintreffen! Viele Netzwerk-Organisationen gestalten im Foyer des Schlosses einen Infomarkt. (Die VertreterInnen der oö. Mauthausen Komitee-Gruppen treffen schon um 9.00 Uhr ein.)
• Wegen des dichten Programms wird pünktlich um 14.00 Uhr begonnen.
• Bitte nehmt nicht nur verlässlich am Großen Netzwerk-Treffen teil, sondern bringt auch Interessierte aus Eurem Umfeld mit! Danke!

18. September 2017: Stille Machtergreifung. Hofer, Strache und die Burschenschaften

Stille Machtergreifung. Hofer, Strache und die Burschenschaften

Buchpräsentation mit Hans Henning Scharsach

Norbert Hofers Präsidentschaftswahlkampf war ein Lehrstück einer von Burschenschaften konzipierten populistischen Kampagne. Mit eisernem Lächeln täuschte er erfolgreich über die von ihm vertretenen rechtsextremen Standpunkte hinweg. Doch das ist nur die Speerspitze einer Entwicklung, die fast unbemerkt von der österreichischen Öffentlichkeit vor sich geht: Ein kleiner, verschworener Kreis hat die FPÖ in Besitz genommen, zentrale Funktionen in Bundespartei, Parlament und Landesverbänden sind fest in den Händen von Burschenschaftern.

Hans-Henning Scharsach untersucht die engen Verflechtungen Norbert Hofers, Heinz-Christian Straches und ihrer Weggefährten mit den Burschenschaften. Seine akribische Recherche taucht tief in deren antisemitische und nationalsozialistisch geprägte Geschichte ein. Er analysiert ihr politisches Instrumentarium, das sich mit Hasskampagnen und systematischer Verbreitung von Unwahrheiten über alle Regeln der Fairness hinwegsetzt. Anhand belegbarer Zahlen, Daten und Fakten zeigt Scharsach auf, was Österreich droht, wenn deutschnationale, schlagende Burschenschafter an die Macht kämen.

Montag, 18. September 2017, 18.45

im FREIRAUM, Altstadt 8, 4600 Wels

Moderation: Thomas Rammerstorfer

Eine Veranstaltung der Welser Initiative gegen Faschismusstille-machtergreifung_9783218010849

1. März 2017: Politischer Aschermittwoch mit Paul Lendvai

Politischer Aschermittwoch der Welser Initiative gegen Faschismus
Buchpräsentation „Orbans Ungarn“ mit dem Autor Paul Lendvai
1. März 2017, 20 Uhr
Bildungshaus Schloß Puchberg, Puchberg 1, 4600 Wels
Eintritt: 10.- normal/für SchülerInnen, Präsenzdiener etc. frei
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Viktor Orbáns Politik im Visier
Viktor Orbán regiert hinter einem scheinbar demokratischen Vorhang mit eiserner Faust. Eine zwar schwache, aber funktionierende Demokratie baut er in einen autoritären Staat um. Seine nahezu uneingeschränkte Machtposition verdankt er vor allem seiner persönlichen Ausstrahlung, seiner Unbarmherzigkeit und seinem Machtinstinkt. In den 1990er-Jahren als demokratische Hoffnung gefeiert, gilt Orbáns Bewunderung heute Männern wie Putin und Erdoğan. Von den westlichen, liberalen Werten hat er sich abgewendet. Sein rechtskonservativer, populistischer Kurs lässt fremdenfeindlichen und antisemitischen Tendenzen breiten Raum, seine finanz- und wirtschaftspolitischen Ambitionen führen zu einer Spaltung der Gesellschaft: Einer kleinen Schicht profitierender Neureicher steht ein wachsendes Heer an Armen, Arbeitslosen und Mindestrentnern gegenüber. Die politische Opposition ist schwach und gespalten, die junge urbane Generation wendet sich von der Politik ab oder wandert aus. Ungarn ist zu einem Fremdkörper im demokratischen Europa geworden.
Der Autor Paul Lendvai, international angesehener Publizist, Autor und Osteuropa-Experte, schrieb viele Jahre als Korrespondent für die Londoner Financial Times und angesehene österreichische, Schweizer und deutsche Blätter. Er war ab 1982 Chefredakteur der Osteuropa-Redaktion des ORF und ab 1987 Intendant von Radio Österreich international. Heute ist er weiterhin Mitherausgeber und Chefredakteur der von ihm gegründeten internationalen Zeitschrift Europäische Rundschau, Leiter des Europa-Studios des ORF und Kolumnist des Standard. Er hat 16 Bücher publiziert, viele davon Bestseller und in mehrere Sprachen übersetzt, und ist Träger zahlreicher Auszeichnungen.
Foto: Bela Mezey