17. Mai 2017: Gedenken vor dem Mahnmal in der Porzellangasse – 20. Jahrestag des neonazistisch motivierten Brandanschlages

Die Welser Initiative gegen Faschismus (Antifa) und das BG/BRG Brucknerstraße laden anlässlich des 20. Jahrestages des neonazistischen Brandanschlages in Wels zu einem Gedenken ein. Dieses Gedenken findet am Mittwoch, dem 17. Mai, um 18.00 Uhr vor dem Mahnmal in der Porzellangasse in Wels  (Haus Porzellangasse 38) statt.

Es sprechen Mag. Elisabeth Kölblinger, Direktorin des BG/BRG Brucknerstraße, Dr. Robert Eiter, Vorstandsmitglied des Mauthausen Komitees Österreich, und Mag. Werner Retzl, Vorsitzender der Welser Initiative gegen Faschismus (Antifa). Für die kulturelle Umrahmung sorgen Schülerinnen und Schüler des BG/BRG Brucknerstraße.

Die Gedenkkundgebung findet bei jedem Wetter statt.

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Zum Brandanschlag und zum Mahnmal:

Am 17. Mai 1997 verübte ein junger Welser einen Brandanschlag auf das Haus Porzellangasse 38, in dem ausländische Mitbürger wohnten. Der Täter gehörte einer Neonazi-Gruppe an und hasste Ausländer. Durch den Anschlag wurden zehn Menschen zum Teil schwer verletzt, der aus Mazedonien stammende Arbeiter Sukri Arifi (30) starb.

Der junge Täter wurde 1998 wegen NS-Wiederbetätigung mit Todesfolge zu einer Haftstrafe von zwei Jahre verurteilt. Bald nach Verbüßung dieser Strafe beging er Selbstmord, weil er mit seinem Leben nicht mehr zurechtkam.

Auf Vorschlag der Welser Initiative gegen Faschismus (Antifa) beschloss die Stadt Wels, des Brandanschlages und seiner Opfer durch ein Mahnmal zu gedenken. Dieses Mahnmal wurde im Jahr 2000 in einem Schülerwettbewerb entworfen. Der Entwurf stammte von Sebastian Friedl, damals Schüler des BG/BRG Brucknerstraße. Im Jahr 2007 verwirklichte die Berufsschule Kremsmünster den Entwurf. Anlässlich des zehnten Jahrestages des Brandanschlages wurde das Mahnmal feierlich enthüllt. Es befindet sich vor dem Haus Porzellangasse 38.

Die Familie des getöteten Sukri Arifi – seine Frau Sadet und die beiden Kinder – lebte in Mazedonien. Sie hatte den Ernährer verloren und war von schlimmster Armut bedroht. Die Antifa führte zwei Spendenaktionen durch, die große Unterstützung in der Bevölkerung fanden: 1998 erhielt die Familie rund 7000 Euro, 2004 sogar 12.000 Euro. Die zweite Sammlung half bereits bei der Gründung eines Haushalts in Österreich, denn dank der Unterstützung von Bundespräsident Thomas Klestil, Landeshauptmann Josef Pühringer und dem Welser Bürgermeister Peter Koits konnte die Antifa eine Aufenthaltserlaubnis erreichen. Das ORF-Magazin „Thema“ berichtete engagiert über den Fall. Volkshilfe-Präsident Josef Weidenholzer sorgte für eine kleine Wohnung in Wien, medizinische Versorgung und einen Deutschkurs. Schließlich wurde Sadet Arifi auch ein Arbeitsplatz vermittelt. Bis heute lebt die Familie in Wien: Die Mutter arbeitet als Schneiderin, die Kinder sprechen längst perfekt Deutsch.

Am 5. Juli 2011 übernahm das BG/BRG Brucknerstraße im Rahmen einer Feierstunde die Patenschaft für das Mahnmal. Ziel der Patenschaft ist neben der praktischen Pflege des Mahnmals, den Brandanschlag und seine Opfer nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und als Konsequenz daraus immer wieder Zeichen gegen Rassismus und Neonazismus sowie für Menschlichkeit und gleichberechtigtes Zusammenleben zu setzen. Auf dem Sockel des Mahnmals steht zu Recht: „Das Vergessen des Bösen ist die Erlaubnis zu seiner Wiederholung.“

Wie zu befürchten war, wurde das österreichweit einzige Mahnmal gegen Neonazismus auch Ziel von Sachbeschädigungen: Dreimal – in den Jahren 2012, 2015 und 2016 – kam es zu Schmieraktionen durch unbekannte Täter.

 

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