Gedenkkundgebung zur Reichspogromnacht 2017 – Rede von Katharina Stemberger

Meine lieben antifaschistischen Freunde, sehr geehrte Damen und Herren!

Wir sind heute hier in Wels zusammengekommen, um der November-Pogrome zu gedenken. In dieser Nacht vom 9. auf den 10 November 1938 geschah etwas, was man bis dahin für undenkbar hielt. Gesellschaftlich geforderte und staatlich, von der Regierung organisierte Gewalt verging sich auf brutalste und menschenverachtendste Weise an einer ethnischen und religiösen Minderheit. Die Reichskristallnacht war nicht der Grundstein, sondern der Startschuss zum Holocaust. Der Grundstein wurde viel früher gelegt, und sie werden jetzt innerlich nicken und denken, ja, das war wohl die Wirtschaftskrise der 20er Jahre, die Zwischenkriegszeit, der Zusammenbruch der Weltordnung am Ende des Ersten Weltkrieges – oder vielleicht sogar ein historisches Ereignis viel früher. Sie haben recht. Und gleichzeitig irren Sie.

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Reichskristallnacht – was ist das für ein Wort für die brutale Plünderung und Ermordung unserer Mittbürger und unmittelbaren Nachbarn? Reich – Kristall – Nacht. Mit dem Reich ist wohl der damals demokratisch legitimierte Staat gemeint. Das Kristall bezieht sich auf die zerbrochenen Scheiben jüdischer Häuser, die Scherbe wird Kristall genannt und meint den Reichtum, den man den Juden zuschrieb, um genauer zu sein, von dem man meinte, sie besäßen ihn zu unrecht, sie wären also im Besitz von etwas gewesen, was eigentlich jemandem anderen, nein, nicht jemand anderem, jemand von uns, dem Volk, gehören sollte. Darum bezieht sich der Begriff der Nacht auch nicht bloß auf die Tageszeit des Geschehens, sie spiegelt vielmehr die Anmutung der Szenerie, Flammen schlagen auf, werfen Schatten an die Hauswände, aber vieles bleibt im Dunkeln, anonym, geschützt, keiner konnte sehen, wer dabei war und wer nicht.

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Ein einzelnes Wort, kreiert aus drei Begriffen, ist die Essenz eines Narrativs, wie wir das heute nennen, eines Narrativs, das nicht wegen der Wirtschaftskrise oder des Ersten Weltkrieges, nicht wegen einer Neuordnung Europas geschaffen wurde – sondern einzig und allein aus dem Streben danach, sich selbst überzuordnen, besser – nein – mächtiger sein zu wollen als eigene, unmittelbare Nachbarn, deren Kinder mit den eigenen in dieselben Schulen gingen.

Ein einzelnes Wort, kreiert aus drei Begriffen, wurde zur Essenz des Hasses.

Eines muss uns allerdings klar sein. Dieses Narrativ war nicht vom Himmel gefallen. Schon gar nicht über Nacht. Die Essenz des Wortes Reichskristallnacht ist die Vollendung, die Perfektion eines lange vorbereiteten, gepflegten, gesellschaftsfähig gemachten Gedankens, dem Rassismus und Menschenverachtung zugrunde lagen. Heute, im Rückblick, wissen wir das, und in diesem Rückblick fragen wir uns immer wieder: Wie konnte das geschehen? Wie war das möglich?

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So, wie sich im Wort Reichskristallnacht nichts Menschliches findet, jedes Schicksal, jeder Mensch verschwiegen, ausgeblendet wurde, so gingen wir nach dem Krieg dazu über, das Böse schlechthin an einer Fratze festzumachen. Hitler ist der Teufel, meine Damen und Herren, sie nicken, denn wenn Hitler der Teufel ist, braucht niemand anders diesen Platz einzunehmen. Indem wir dem Teufel das Gesicht eines einzelnen Menschen gegeben haben, haben wir das Böse schlechthin aber wieder entmenschlicht. Wenngleich wir uns damit für schuldlos erklärt haben.

Was ich damit sagen will, ist, dass der Gedanke das Wort formt, das Wort formuliert die Tat. Eine einzige Silbe reicht aus, um aus einem Menschen einen Unmenschen zu machen.

Die Asche von Auschwitz, Millionen der Ausrottung preisgegeben, die Trümmer des Bombenhagels auf Dresden, Generationen von traumatisierten Töchtern und Söhnen von Opfern. Und Tätern. Eine einzige Silbe!

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Neunundsiebzig Jahre später finden wir uns auf einem Kontinent wieder, auf dem seit sieben Jahrzehnten Frieden herrscht. Wir leben in einer Gesellschaft mit den höchsten sozialen Standards seit Menschengedenken. Unser Wohlstand, der Luxus, in dem wir existieren dürfen, dieser unfassbare Reichtum – keine Legende, kein Märchen vermag das zu übertreffen. Wir leben in Frieden! Wir leben in Sicherheit. Jedes Kind darf nicht nur in die Schule gehen, es muss lernen! Was ist das für ein Privileg! Überall sind Spitäler und Ärzte in nächster Nähe, rund um die Uhr bereit zu helfen, wenn Not ist. Jeder wird versorgt, keiner wird zurückgelassen.

Jeder? Oder beginnen wir wieder zu unterscheiden? Die – und wir?

Manche werden denken, ja, aber wenn wir nicht… dann können wir nicht… man muss ja… sonst werden wir….

Weder können wir die ganze Welt alleine retten, noch müssen wir. Aber wir müssen, geschätzte Zuhörer, unseren Taten Worte zugrunde legen, die wir weise wählen. Und wenn wir die Worte nicht finden, dann fehlen die Gedanken.

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Welcher Gedanke, frage ich Sie, liegt der Forderung zugrunde, Mindestsicherung für eine Gruppe von Mitmenschen, Nachbarn, Nächsten zu kürzen? Welcher Teil des Wortes „Mindestsicherung“ ist jenen, die mutmaßlich keine Deutschdefizite haben, dabei unverständlich?

Nein, meine Damen und Herren, das ist kein parteipolitisches Statement. Leider. Denn längst bedienen sich die drei Parteien, die 85% der Wählerstimmen repräsentieren, dieser Worte, dieser Sprache, dieses Narrativs. Die – und wir. Suggerierend, dass wir die Besseren sind, jenen, denen etwas weggenommen wird von ihren goldenen Tellerchen, jedenfalls aber: Wir, die Opfer.

Welcher Gedanke, frage ich Sie, liegt der Forderung zugrunde, Familienbeihilfen, auf die Arbeitnehmer Anspruch erworben haben, nicht ins Ausland zu transferieren? Oder anders gefragt: Welches Geld ist sinnvoller investiert als in die Zukunft der Kinder – gerade über Grenzen hinweg?

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Nein, es ist noch immer kein parteipolitisches Statement. So entstehen Narrative, so schleicht sich ein Sprachgebrauch ein, so sinkt die Schwelle, ehe die Dämme brechen. Wie daraus ein Narrativ entsteht, fragen Sie?

Vor kurzem fuhr eine Bekannte von mir zu einem dieser großen Supermärkte in der Stadt, um einzukaufen. Sie parkte den Wagen in der angeschlossenen Tiefgarage, nahm sich einen Einkaufswagen und stellte sich zu den Liften. Links neben ihr ein Ehepaar, beide Ende 50, aus der Mitte unserer Gesellschaft, wie man so schön sagt. Rechts neben ihr tanzte ein kleines Mädchen, vier oder fünf Jahre alt, schulterlanges, schwarzes Haar. Auch ihre Mutter gesellte sich zu den Wartenden. Meine Bekannte war angetan von dem Mädchen und ihrem kindlichen Tanz, lächelte zuerst das Kind an, dann das Ehepaar. Der Mann sah sie an, und sagte: »Auf den Misthaufen mit ihr. Und anzünden.« Seine Frau nickte zustimmend. Das Ehepaar stieg allein in den Lift ein. – Nein, nicht das Ehepaar ist der Einzelfall, verehrte Zuhörer, sondern meine über neunzigjährige Bekannte. Sie hat als Kind das KZ Theresienstadt überlebt.

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Wir gedenken heute der Nacht, in der die Minderheit der Juden verfolgt, ermordet, beraubt wurde, und in der die Menschen hinter den Schicksalen aufhörten, in unserer Erzählung zu existieren, wie wir heute aus vielen Untersuchungen und Recherchen wissen, hörten mit diesem Tag die Menschen, die Bürger des Landes, des Staates, des Reiches, auf, ihre ehemaligen Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde, Mitschüler, in Erzählungen mit Namen zu nennen – sie waren nur noch Die.

Die Namen verschwanden aus den Erzählungen, die Menschen, und dem Narrativ folgte die Tat. Über sechs Millionen Taten.

»Wir lernen aus der Geschichte, dass wir aus der Geschichte nichts lernen«, ist beispielsweise eines der Mantras, die Intellektuelle gerne vor sich hertragen. Es sind Sätze wie dieser, mit denen die Selbstzerfleischung Manifest wird, die Ausweglosigkeit Prinzip, das Scheitern ein Muss.

»Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen«, ha ha, das ist lustig. Wollen Sie in einer Welt ohne Visionen leben? Ich will es ganz gewiss nicht.

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Es ist nicht der Glaube, der unsere Gesellschaft zusammenhält, die politische Haltung ist es nicht, unsere Arbeit ist es nicht, und es sind nicht die Gesetze, und nicht der Staat: Und dennoch kommen wir zusammen zu Veranstaltungen wie dieser, hören einander zu und erinnern uns – gemeinsam – an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte, an das schlimmste, unverzeihlichste und grausamste Fehlverhalten, das eine Gemeinschaft von Menschen verbrechen kann.

Wir kommen zusammen, weil wir aus der Geschichte lernen wollen und werden, und weil wir eine Vision unserer Zukunft aufbauen wollen – jeder für sich und alle zusammen. Auch das ist nicht neu.

Neunzehnhundertachtundvierzig, genau 10 Jahre und 1 Monat nach den Novemberpogromen, fanden sich die Länder dieses Planeten zusammen und formulierten die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Sie werden von den Menschen niedergeschrieben, die die Hölle gesehen haben, die gesehen haben, zu welchen Taten unsere Worte führen können, die gesehen haben, welch zerstörerische Kraft die Vision von wenigen hat, wenn Viele keine Vision mehr davon haben, wie sie leben wollen.

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Und das ist es, worauf ich hinaus will. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte formuliert nicht, was wir nicht wollen, sondern wie wir wollen, dass unsere Welt ist. Sie sind eine Absichtserklärung – ohne juristische Wirkung! – und trotzdem behaupte ich, dass sie unsere Existenz, speziell in Europa, geformt haben.

Europa. Die Zäune der Schrebergärten der Nationen werden wieder höher, die Thujenhecken dichter. Wir setzen uns zusammen und erzählen einander, was wir alles nicht wollen. Wie leicht das ist. Wie billig. Und wie grausam.

Der Publizist und Zukunftsforscher Robert Jungk wurde 1913 in Berlin geboren und starb 1994 in Salzburg. Ein Jude, der zwei Kriege überlebte und wegen des um sich greifenden Hasses Anfang der 30er Jahre emigrieren musste, verstand Utopien als Antrieb für soziale Erfindungen in einer wünschenswerten Zukunft. Er formte ein Gegenkonzept und suchte einen Weg aus der Spirale des Hasses, forderte eine Demokratisierung des utopischen Denkens durch Förderung der Phantasie und begriff dies als politisches Mittel, um angesichts gesellschaftlicher Krisen nicht in Passivität und Resignation zu versinken!

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Ich will Frieden. Nicht nur für die Lebenszeit meiner heute sechzehnjährigen Tochter, und nicht nur in Europa. Ich will, dass wir Verantwortung für einander übernehmen und dabei genau sind: Ich will, dass diese Verantwortung nicht am Brenner endet, nicht am Walserberg, und nicht in den Konzentrationslagern von Libyen. Ich will, dass jeder Mensch das gleiche Recht hat, auf dieser Welt selbstbestimmt und in Freiheit zu leben. Ich will, dass Freiheit bedeutet, an jeden Ort gehen zu können. Ich will, dass Bücher gelesen werden, und nicht verbrannt. Ich will, dass Sprache der Verständigung dient und nicht der Abgrenzung. Ich will, dass Sprache Kunst ist. Immer. Ich will, dass aus Mitleid Empathie wird. Ich will die Zuversicht gegen die Angst stellen, den Mut gegen den Hass.

Reichskristallnacht. Was für ein hinterhältiges Wort.

Die 30 kurzen Absätze der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zeigen uns, wie wir der Entmenschlichung entgegentreten können, indem sie Wort für Wort die Einzigartigkeit, den Wert und die Würde jedes Einzelnen formulieren. Lassen Sie uns diese Worte verwenden, um unsere Welt zu formen. Und endlich wieder Visionen zu haben.

Mit jeder einzelnen Silbe.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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Gedenkkundgebung zur Reichspogromnacht 2017 – Redebeitrag von Charlotte Hermann

Juden wurden über Jahrtausende verfolgt, die Kristallnacht jedoch war der Beginn einer Judenverfolgung, die es in diesem Ausmaß noch nie gegeben hatte.

Die Linzer Synagoge wurde am 9.11.38 zur Gänze niedergebrannt, und genau 30 Jahre – bis 1968 – dauerte es, bis wir wieder eine neue Synagoge bekamen.

Seit diesem Jahr gibt es im Ars Electronika Center die virtuelle Rekonstruktion der alten Synagoge-als ich diese sah, war ich zutiefst berührt und unsere Gemeinde „hauchte der Synagoge wieder Leben ein“, indem wir einen kleinen Gottesdienst dort abhielten.

Aber zurück zum Anfang vom Ende:

Es folgte das, was alle wissen, all jene, die es nicht wagen es zu leugnen:

Sechs Millionen tote Juden waren Menschen, die niemandem etwas getan hatten, sondern einfach nur Juden waren, darunter eineinhalb Millionen Kinder. Auch heute ist die Anzahl der Juden weltweit immer noch nicht so hoch, wie dies vor dem 2.Weltkrieg der Fall war. Vor dem Krieg waren es 16 Millionen weltweit.

Es sind nun schon 79 Jahre vergangen, und es scheint vielen schon sehr lange her zu sein, so dass man oft die Frage hört: „Was geht uns zu das noch an?“.

ABER FÜR DEN HOLOCAUST GIBT ES KEIN ABLAUFDATUM! Und es stimmt ja, direkt hat es mit den meisten nichts mehr zu tun, die meisten Zeitzeugen sind verstorben, bald wird es keine mehr geben. Vieles wurde in den Familien verschwiegen und daher gibt es keinen direkten Bezug mehr zum Holocaust.

Dass Nazis ihre Vergangenheit verschwiegen haben, ist klar, aber es gibt noch immer traumatisierte Juden, die ihre Vergangenheit und sogar ihren Glauben!!! verbergen. Ein fast unglaublicher Fall stammt aus Ungarn.

Csanád Szegedi war Mitbegründer der rechtsradikalen Jobbik Partei in Ungarn, er hetzte gegen Juden, Roma und Sinti – in einer Form, wie es Hitler tat.

Es stellte sich aber heraus, dass seine Großmutter in Auschwitz inhaftiert war und aus Angst vor Repressalien ihr Judentum vor ihrer Familie verheimlichte.

Die tätowierte Nummer am Arm versteckte sie durch das Tragen von langen Ärmeln ihr Leben lang.

Er besuchte Auschwitz, ist mittlerweile Mitglied einer orthodoxen jüdischen Gemeinde und sehr viel in Israel.

Das Schicksal zweier in Oberösterreich lebenden Frauen gibt ein weiteres Beispiel für die verschwiegene Vergangenheit und bildet gleichzeitig ein starkes persönliches Erlebnis von mir.

Vor ca. zwei Jahren kontaktierten mich fast zeitgleich zwei Damen, eine aus Tschechien stammend und die andere aus Ungarn. Sie wollten „uns einmal kennenlernen“ sagten sie.

Im Verlaufe des Gespräches hat sich herausgestellt, dass beide Frauen durch Zufall nach Recherchen in ihren Geburtsländern erfahren hatten, dass sie Jüdinnen waren.

Die Eltern der Frauen hatten unglaubliche Angst auf Grund der Erfahrungen aus der Geschichte, sodass sie ihre tatsächliche Herkunft vor ihren Töchtern verheimlichten.

Beide Damen wussten nicht, wie sie mit dieser Tatsache umgehen sollten. Unabhängig voneinander konnten sie sich nicht entschließen, sich tatsächlich zum Judentum zu bekennen, dies ausdrücklich aus Angst und wegen des wieder ansteigenden Antisemitismus.

Für die Nazis waren die Juden keine Menschen. Sie bekamen eine Nummer und so war es leicht, eine Nummer zu ermorden, nicht eine Mutter, ein Kind, einen Greis, es waren Nummern und eben Juden, oder,wie sie noch bezeichnet wurden: Ungeziefer, Ratten, Krebsgeschwüre.

Viele stellen sich die Frage: Warum haben sich die Juden nicht gewehrt? Eine mögliche Antwort ist, dass sie nicht an das total Böse geglaubt haben, sie dachten, es könne ja nicht so schlimm werden, bis es zu spät war. Ein fataler Fehler!

Durch regelmäßige Führungen, die ich in der Linzer Synagoge abhalte, bekomme ich, egal ob von Erwachsenen oder auch von Kindern im Volksschulalter, interessante Fragen gestellt wie:

Warum mag man die Juden denn nicht?

Das frage ich mich auch immer wieder. Haben Sie eine plausible Erklärung?

Einmal sagte ein 11-jähriges Mädchen zu mir: Sie sehen gar nicht wie eine Jüdin aus! Ich war einerseits amüsiert und dachte dabei, welche Vorstellung ein elfjähriges Kind davon hat, wie eine Jüdin auszusehen hat.

Es kommen aber auch klischeehafte Fragen wie:

Sind alle Juden reich? Regieren die Juden die Welt? Dominieren sie das Finanzwesen und die Medien?

Begrüßenswert ist, dass Schüler heutzutage das Wissen über den Holocaust überwiegend aus dem Unterricht beziehen und teilweise Schulen nach Mauthausen fahren.

In meiner Schulzeit endete der Geschichtsunterricht mit dem 1.Weltkrieg! Den 2. Weltkrieg gab es einfach nicht.

Unsere Aufgabe wäre es, so viele wie möglich zu sensibilisieren.

Kinder müssen die Tatsachen erfahren, bevor sie von den Vorurteilen der Erwachsenen „vergiftet“ worden sind.

Der nie verschwundene und latente Antisemitismus ist leider wieder salonfähig geworden und tritt in den verschiedensten Formen wieder auf.

Ich nenne ein Beispiel, was einer Dame aus unserer Gemeinde vor Kurzem passiert ist, die selbst als Kind mit ihrer Familie vor den Nazis flüchten konnte. Sie ging zu einem Termin bei einer Kinesiologin, das erste Mal, diese wusste nicht, dass sie eine Jüdin ist.

Sie unterhielten sich – unter anderem über die schlechte Wirtschaftslage –  und prompt sagte die etwa 35-jährige Kinesiologin: An dem Ganzen sind nur die paar Juden in Amerika schuld.

Vor einigen Jahren sagte eine Schuldirektorin in Niederösterreich zu zwei jüdischen Mädchen, die von muslimischen Kindern beschimpft wurden, es wäre besser, sie würden nicht sagen, dass sie Jüdinnen seien!

Das passiert heutzutage.

Der Antisemitismus heutzutage kommt nicht nur aus dem rechten Eck, er ist in allen politischen Lagern bis hin zu ganz links deutlich vertreten, auch wenn das nicht gerne gehört oder geleugnet wird.

In den sozialen Netzwerken ist die Hemmungslosigkeit kaum zu übertreffen.

Studentenvertreter des Wiener Juridicum posteten sogenannte „Judenwitze“, verhöhnten Anne Frank, machten rassistische Äußerungen, wie: „Wo ist das Schornstein-EMOJI“!

Diese Meldungen kamen nicht von den Rechtsextremisten. Es handelte sich offensichtlich um gebildete Menschen, Studenten, denen es anscheinend zu gut geht, um zu verstehen, was sie da von sich geben. Anscheinend hat bei diesen Personen der Geschichtsunterricht vollkommen versagt.

Sehr bedauerlich ist, dass durchaus gebildete Personen in Österreich die 6 Millionen jüdischen Opfer in Frage stellen und über die logistischen Möglichkeiten in den Konzentrationslagern diskutieren mit der Begründung, „das wäre rein rechnerisch nicht möglich“!

Dieselbe Thematik wurde auch Teil eines Gerichtsprozesses, in dem der Pflichtverteidiger eines wegen Hasspostings Angeklagten in seinem Schlussplädoyer die Gaskammern im KZ Mauthausen infrage stellte.

Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen den Rechtsanwalt ein. Der Weisungsrat im Justizministerium sah keine Straftat!

Wenn Aussagen wie diese ungestraft bleiben können, was folgt noch?

Da wird eine Hintertür geöffnet, deren Folgen verheerend sein können.

Nicht zuletzt kommt der Antisemitismus leider auch aus muslimischer Richtung.

Tätliche Übergriffe auf Juden, vor allem in Frankreich, aber auch anderen europäischen Ländern sind leider fast alltäglich.

Eines möchte ich hier aber explizit anmerken. Man hört immer wieder von dem Vergleich, dass die heutige Islamophobie der Antisemitismus von früher sei. Dagegen möchte ich vehement protestieren! 6 Millionen Juden wurden ermordet, weil sie Juden waren, obwohl sie keinem etwas angetan hatten. Als zu Beginn der 90er Jahre Muslime vor dem Balkankrieg flüchteten, gab es keine Islamophobie und keine Angst vor dem Islam. Diese kam erst zum Vorschein, als die terroristischen, hetzerischen, brutalen Aktivitäten, die im Prinzip mit dem Islam nichts zu tun haben, sondern nur in dessen Namen begangen werden, begannen.

Wenn die Jüdische Gemeinde in Deutschland ihre Mitglieder auffordert, eher nicht die Kippa zu tragen, oder die deutschsprachige „Jüdische Rundschau“ anbietet, die Zustellung ohne Absender zu tätigen, dann müssen die Alarmglocken läuten!

Ich fühle mich nicht wohl dabei und frage mich: Ist es wieder soweit, dass wir die Koffer packen müssen? Ich kenne Familien, gläubige Familien, die Angst haben, an ihrer Eingangstür eine Mesusa anzubringen. Darf das heutzutage sein?

In vielen Fällen handelt es sich um den sogenannten „importierten Antisemitismus“, der eine neue Form und – wie man in Fachkreisen behauptet – eine neue Qualität des Antisemitismus darstellt.

Was damit gemeint ist, kann ich mit einem persönlichen, aber doch positiven Beispiel erklären.

Voriges Jahr stand plötzlich ein Asylwerber vor unserer Gemeinde Er sprach schon sehr gut Deutsch und erzählte, in seiner Heimat hassen alle die Juden und er verstehe das nicht, er kenne ja keine Juden. Er erzählte auch, dass schon in der Volksschule die Lehrerin immer sagte, die Juden seien Monster, schlecht, Mörder usw. Das heißt schon die Kinder werden mit antisemitischem Gedankengut vergiftet- dem entgegenzuwirken ist für unsere Gesellschaft eine große Herausforderung.

Nach den Anschlägen in Paris hat Premierminister Netanyahu die Juden Frankreichs aufgefordert nach Israel auszuwandern, und nicht wenige sind diesem Aufruf gefolgt. Ich wurde des Öfteren gefragt, wie man in ein Land auswandern könne, in welchem es ständig Krieg und Terroranschläge gibt. Der erste Gedanke sagt einem, das ist unlogisch, aber als Jude fühlt man sich bei einer Bedrohung sicherer, wenn man unter Juden ist- eine gemeinsame Gefahr sozusagen.

Ich stimme der Aufforderung des Premierministers jedoch nicht zu. Warum sollen die Juden, die in Ländern außerhalb Israels geboren sind, dort aufgewachsen sind, ihren Lebensmittelpunkt dort haben, das Land, in dem sie sich bis vor kurzem wohlfühlten, verlassen?

Die Regierungen dieser Länder haben dafür zu sorgen, dass sich jeder, egal welcher Religionsangehörigkeit, sicher fühlt. Das ist deren Aufgabe. Nur eines ist uns Juden auch klar. Ohne den Staat Israel wären wir wahrscheinlich fast wie „Freiwild“, um es betont provokativ zu sagen.

Bei den erwähnten Führungen in der Synagoge werde ich immer wieder gefragt, welche Bedeutung für uns Juden der Staat Israel hat. Meine Antwort darauf ist ganz klar: Der Staat Israel ist unser Rückgrat. Ich erlaube mir auch soweit zu gehen und mit Sicherheit zu behaupten: Hätte es den Staat Israel in den 30er Jahren gegeben, hätte es keinen Holocaust gegeben, und anders herum, hätte es den Holocaust nicht gegeben, hätte es den Staat Israel vielleicht nicht so schnell gegeben.

Israel wird immer wieder ob seiner militärischen Übermacht kritisiert, aber schon die ehemalige Premierministerin Golda Meir sagte: „Wenn die Araber ihre Waffen niederlegen, gibt es keinen Krieg mehr, aber wenn Israel seine Waffen niederlegt, gibt es kein Israel mehr.“

Und bitte an all diejenigen, die jetzt am liebsten aufschreien würden: Ja, aber die Siedlungen sind schuld – zur Zeit der Staatsgründung gab es keine Siedlungen!

Nur um eines klarzustellen:  Kritik an Israels Politik ist durchaus erlaubt, aber manche Israelkritiker verstecken den offensichtlichen Antisemitismus unter dem Deckmantel, nur die Politik kritisieren zu wollen:

Wenn zur Kennzeichnung und zum Boykott (BDS) von Waren aus den besetzten Gebieten aufgerufen wird, so erinnert mich das mit großem Entsetzen an das „Kauft nicht beim Juden“.

Der Ministerrat beschloss im April dieses Jahres die „Antisemitismusdefinition“:

Besonders hervorzuheben ist:  „darin sind auch Formen des Antisemitismus, die sich hinter der sogenannten ‚Israelkritik‘ verstecken, benannt worden. Besonderheiten wie u. a. Maßstäbe betreffend das Verhalten des Staates Israels (double standards), die bei keinem anderen demokratischen Land Anwendung finden, sind Teil dieser Definition.“ (APA, 25.4.2017)

Hiermit möchte ich all denen, die sich als politisch korrekte Israelkritiker präsentieren, sagen, dass ohne die uneingeschränkte Anerkennung des Staates Israel, dem einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten, die Juden nirgendwo sicher wären.

Kein Land ist bereit oder fähig den Juden weltweit zur Seite zu stehen – das hat uns die Geschichte gelehrt.

Solange es den Staat Israel gibt, wird es von keinem Bahnhof der Welt jemals wieder Deportationszüge geben.

DAS müssen die „NUR“ Israelkritiker zur Kenntnis nehmen!

Das, meine Damen und Herren, muss jedem von Ihnen bewusst sein.

Leider sind wirtschaftliche Interessen dem oft im Weg.

Es gibt österreichweit jährlich viele Gedenkveranstaltungen, danach aber geht das Leben in gewohnter Weise weiter, was ganz natürlich und einerseits auch gut ist.

Ich halte es aber für wichtig, nicht bis zum nächsten Jahr zu warten, um über die Katastrophe nachzudenken und Vorsätze zu machen, sondern zu versuchen im Alltag präventiv der nicht allzu unrealistischen Bedrohung aus diversen Richtungen entgegenzuwirken.

Denn die Überlegung, es kann ja nicht so schlimm werden, hat 6 Millionen das Leben gekostet!

Dr. Charlotte Hermann ist Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz. 

Welser Zivilgesellschaft zeigt Stadt die kalte Schulter – Blamage für FP-Bürgermeister Rabl

Kundgebung der Stadt ohne Bürgerbeteiligung, ObonyaLesung abgesagt

Die medial groß angekündigten „offiziellen“ Gedenkveranstaltungen zur Reichspogromnacht der Stadt Wels am 10. November wurden für FP-Bürgermeister Rabl zum Debakel.

Während Gedenkredner Herwig van Staa nur 35 Teilnehmer in den Pollheimerpark brachte, musste die anschließend angekündigte Lesung des Schauspielers Cornelius Obonya mangels Interesse abgesagt werden. So hatten sich nur 8 Zuhörer (inklusive der politischen Pflichtteilnehmern) in der Welser Burg eingefunden.

Natürlich finden wir es schade, dass Herr Obonya seine Lesung nicht abhalten konnte, denn vielen Geladenen, die eher selten mit antifaschistischem Gedankengut in Berührung kommen, hätte eine Lesestunde von Herrn Obonya sicher nicht geschadet.

Aber natürlich sind wir auch froh darüber, dass die Welser Bevölkerung dieser Scheinheiligkeit eine klare Absage erteilt hat. Von Politikern einer Partei, die Menschen gegeneinander aufhetzt und statt Sachlösungen nur Sündenböcke produziert, kann kein glaubwürdiges Gedenken an die Opfer von Nationalsozialismus und kein Signal gegen Rassismus und Antisemitismus erwartet werden.

Jenseits der moralischen Bankrotterklärung bleibt somit die Frage, wer für die erheblichen Kosten dieses Spektakels aufkommen wird. Der Verdacht einer Verschwendung von Steuergeldern sollte im Gemeinderat aufgeklärt werden.

Gedenkkundgebung zur Reichspogromnacht 2017 – Redebeitrag von Katharina Gusenleitner

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Rede zur Gedenkkundgebung für die Opfer von Rassismus und Fremdenhass

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Menschen,

im Namen der Welser Initiative gegen Faschismus bedanke ich mich, dass sie sich heute zum Gedenken für die Opfer von Rassismus und Fremdenhass hier versammelt haben. Ich darf mich auch vorab bei den beiden Hauptrednerinnen sozusagen bedanken, Dr.in Charlotte Herrmann, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz sowie bei der Schauspielerin Katharina Stemberger. und ebenso beim Evangelischen Posaunenchor Wels unter der Leitung von Mag.a Rosemarie Dobringer für die musikalische Umrahmung.

Mit ein paar persönlichen Worten möchte ich diese Kundgebung beginnen:

Heute wollen wir gemeinsam gedenken, uns gemeinsam entsinnen und gemeinsam aufstehen gegen Ungerechtigkeiten und Herabwürdigungen, Xenophobie und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gemeinsam aufbrechen, damit es uns vielleicht zukünftig besser gelingen mag, Unmenschliches und Grausamkeiten zu verhindern bzw. irgendwann zur Gänze hinter uns zu lassen. Könnten wir uns nicht erinnern, nicht gedenken, nicht davon berichten, erzählen, mahnen und aufklären – wäre es wohl so, als wären diese Verbrechen an der Menschheit im Gesamten und an Menschen, Frauen, Kindern, Männern im Einzelnen nie passiert. Ich denke, es ist an der Zeit zu warnen und auf die Gefahren hinzuweisen, die die neusten politischen Entwicklungen in dieser kleinen demokratischen Republik mit sich bringen. Ich, grundsätzlich was Entwicklungen in Politik betrifft bisher immer noch mit einer gehörigen Portion Optimismus ausgestattet, sehe mittlerweile keine Schattierungen von Grau mehr sondern einfach nur noch Schwarz, sollte sich nichts ändern in den nächsten Jahren. Und ich spreche wirklich von positiven Veränderungen für Menschen, nicht wie ein gewisser mit einem hohen Maß an Selbstbewusstsein ausgestatteter Jüngling, der zwar ständig von Veränderungen spricht doch im Endeffekt allem Anschein nach möchte, dass sich gar nichts ändert außer sein Machtanspruch vielleicht. Menschen ganz egal welcher Herkunft, sexuellen Orientierung, welchen Alters, sozialen Backgrounds, Weltanschauung, etc. solllten den Anspruch haben, sich in dieser demokratischen Republik sicher, menschenwürdig behandelt und abgesichert zu fühlen.

Worauf steuern wir also zu bzw. warum beziehe ich mich immer wieder auf Österreich als demokratischer Republik? Ich denke, dass diese unsere Staats- und Regierungsform auf wackeligen äußerst filigranen Beinen steht. Wohin hat uns also diese Wahl schon wieder geführt? Trotzdem ist diese Demokratie die einzig mögliche Staatsform, die es gibt, alles andere ist indiskutabel oder mit Winston Churchills Worten zu sprechen:

„Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.“ Immerhin ist sie auch die einzige Staatsform, die neben dem Willen des Volkes auch Minderheiten- und Menschenrechte sowie die Gewaltenteilung vorsieht.

Zunächst bevor wir darauf eingehen, was denn überhaupt alles möglich ist, würde ich Ihnen heute das Rezept der Xenophobie, des Fremdenhasses, des Rassismus und anderer Grausamkeiten, die in Verbrechen gegen Menschen im Einzelnen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gesamten ausarten können, mitgeben, denn dieses stellt den fruchtbaren Boden für undemokratische Verhältnisse dar.

Nehmen Sie eine ordentliche Menge des Bedürfnisses bzw. Strebens nach Macht, Dummheit im Sinne von Ignoranz gegenüber Menschen, hetzerische Propaganda, Mythen wie Überfremdung (Xenos sind wir doch alle), eine manipulative oder soll ich sagen manipulierte Medienlandschaft, sowie Menschen, die sich aufhetzen lassen und Sie haben den Salat. Dazu kommen Grenzen und Nationalstaatlichkeiten, die dem Ganzen die richtige Würze geben. Die Errungenschaften der Aufweichung von Nationalstaatlichkeit und von Grenzen, die ich als eine der entscheidensten Entwicklungen seit dem 2. Weltkrieg erachte und in Verkleidung der Europäischen Union zumindest teilweise ihre Umsetzung fanden, scheint durch das Streben nach Abgrenzung in jeglicher Form ein langsames Ende zu finden.

Das ist sozusagen der Grundstein, um demokratische Verhältnisse ins Wanken zu bringen, Das wahrlich Erschreckende ist, dass man das Gefühl hat, der Aufschrei wäre 2000 lauter gewesen. Irgendwie scheint es so, als hätte sich ein Groß der Bevölkerung damit abgefunden, wenig an den Schaden für die Bevölkerung bzw. gar an die Reputation der Alpenrepublik im Ausland denkend, wenn höchste Ämter im Staat an mehr als fragwürdige Gestalten vergeben werden. Der junge Dirigent nimmt das alles aus karrieristischen Gründen nicht nur in Kauf, sondern arbeitet fleißig daran, selbst einer der Demonteure der Demokratie zu werden.

Um Ihnen meine Vorstellungen, von was alles möglich sein kann, näherzubringen, brauche ich lediglich die Definition der autokratischen Staatsform zu verlesen:

Als Autokratie wird in der Politikwissenschaft eine Herrschaftsform bezeichnet, in der eine Einzelperson oder Personengruppe unkontrolliert politische Macht ausübt und keinen verfassungsmäßigen Beschränkungen unterworfen ist.

Ja, ich denke das kann passieren und wir steuern auf ein großes Ungeheuer zu, wenn sich immer mehr europäische Nationalstaaten in autokratische oder Autokratie-ähnliche Systeme zu verwandeln drohen.

Österreich ist vermutlich auf dem besten Weg dorthin: der stetige Zerfall kritischer/unabhängiger Medien, ein Mann mit hohem Machtanspruch an der Spitze, rechte oder gar rechtsextreme Gestalten als weitere ProtagonIstinnen, die Zuwanderung als deklariertes Grundübel, die Kumulation von islamophoben, rasisstischen, antisemitischen und neonazistisch begründeten Straftaten in real life und im Netz, oder sollte ich besser von sogenannten Einzelfällen sprechen, der Abbau der Sozialstaatlichkeit, das langsame Aushungernlassen von Organisationen, die sich um Menschen kümmern, die Beschneidung des Zugangs zu Bildung aber am wohl am entscheidensten könnte die langsame Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit sein. Das Suchen nach gesetzlichen Schlupflöchern, wie immer weniger AkteurInnen immer mehr alleine entscheiden können, hat bereits begonnen.

Es ist keinesfalls meine Intention, Angst zu verbreiten. Ich möchte nur realistisch bleiben und mich keinem verklärten Blick auf die Wirklichkeit hingeben. All das muss aber nicht eintreten bzw. weitergehen. Ich denke wir haben es in der Hand entschieden gegen Unrecht aufzutreten und uns zu widersetzen. Das Schlimmste wäre jetzt in Angst zu verharren. Zu erstarren. Das Schlimmste wäre die Resignation.

Bitte behalten wir dennoch im Auge: Schreckliches kann immer passieren, auch in Europa wenn wir es zulassen. Trotz friedenserhaltenden Projekten wie der Europäischen Union, trotz des Bestehens der Vereinten Nationen, trotz der Existenz von Grund- und Menschenrechten in Europa. Ich bitte darum, an den erst 1995 verübten Genozid an Bosniaken in Srebrenica während des Bosnienkrieges zu erinnern. Die Massaker passierten in Europa, lange nach Gründung der Vereinten Nationen.

„Hatred and discrimination – if left unchallenged – can lead to horrendous evil. We must never say it could not happen here. In Srebrenica it did“, so Very Reverend Lorna Hood der General Assembly der Church of Scotland im Buch des Todesmarsches von Srebrenica Überlebenden Hasan Hasanovic. Und so schreibt Maureen Sier, Director of Interfaith Scotland, im Vorwort von Hasans Buch „Surviving Srebrenica“:

„Hasan, in memory of his father and brother, wants his story told to strenghten, encourage and challenge – to strehghten those whos work for peace and justice to continue; to encourage those who stand at the side lines to get involved and help build a better world; and to challenge those whos seek division and hatred to think again and see the world is tired of their ways. A new world is possible but only if we build it together.“

Wir hatten das Glück, Hasan zu treffen. Dieser Mann  hat die Hölle erlebt, trägt aber keinen Hass in sich, nur viel Hoffnung und das Glühen für Frieden.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

20. November 2017: Jahresforum & Verleihung der Elfriede-Grünberg-Preise

Liebe Mitglieder und FreundInnen der Welser Initiative gegen Faschismus!

Gemeinsam blicken wir auf das vergangene Arbeitsjahr zurück, welches von erfolgreichen Veranstaltungen, aber auch von widerwärtigsten An- und Untergriffen der extremen Rechten geprägt war.

Die Verleihung der Elfriede-Grünberg-Preise erfolgt an

– Cafe für Alle (Integrationsprojekt, Wels)
– Klaus Buttinger (Journalist, Kabarettist)
– NR-Abgeordneten a. D. Karl Öllinger
– Kathrin Quatember (Historikerin, Bloggerin)

Bücher- bzw. Infotische – Buffet

Einlass: 18.30
Beginn: 19 Uhr

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

18.30 – Bildungshaus Schloss Puchberg

12. Oktober 2017: Die FPÖ – Partei der Reichen

Bild könnte enthalten: Text

12. Oktober 2017, 19 Uhr

im Infoladen Wels, Stadtplatz 39/20, 4600 Wels
Buchpräsentation und Diskussion mit dem Autor Michael Bonvalot

Die FPÖ gibt sich in der Öffentlichkeit gern als „soziale Heimatpartei“. Doch das tatsächliche Programm der Partei sind neoliberale Sparmaßnahmen – von A wie Arbeitszeit-Verlängerung über P wie Pensionskürzungen bis Z wie Zwangsarbeit. Michael Bonvalot blickt in seinem Buch hinter die Kulissen der FPÖ-Propaganda. Was er findet sind Vorschläge zur sozialen Kürzung bis zur völligen Zerschlagung des Sozialstaats.

Die neoliberalen Think tanks im Hintergrund der FPÖ werden ebenso ans Licht geholt wie die Nadelstreifen-rechten und burschenschaftlich geprägten Vorfeldorganisationen für die Wirtschaft. Abgerundet wird das Buch mit der Frage, wer die FPÖ wählt und warum sie gewählt wird.

Bonvalots Überzeugung: „Die Leute wissen, dass die FPÖ rassistisch ist. Immer neue Einzelfälle zu präsentieren, wird nichts bringen. Aber beim Wirtschaftsprogramm gibt es eine tiefe Kluft zwischen der Erwartung vieler Wählerinnen und dem tatsächlichen neoliberalen Programm der Partei. Darüber sollten wir sprechen.“

Ort: Infoladen Wels, Stadtplatz 39/20, 4600 Wels

Gemeinsame Veranstaltung des Infoladen Wels – linke Buchhandlung mit der Welser Initiative gegen Faschismus